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Was ist "Inklusive Lehre"?

Inklusive Lehre ist eine Form der Lehre, bei der möglichst viele Studierende chancengleich teilnehmen können, ohne dass diese gesondert an Sie herantreten müssen, um

  • sich zu "outen" oder
  • "besondere" Bedingungen" zu erbitten

Inklusive Lehre ermöglicht Ihren Studierenden, deren Potentiale und studentischen Eifer zu zeigen und zu entwickeln.

Auf diese Weise ermöglichen Sie eine relativ inklusive Lernumgebung:

  • vollständige, barrierefreie Dokumentation der Lehr- und Lerninhalte in Schrift (>?), sowie, wenn möglich, Ton und Bild (>?)
    • vorab zur Verfügung Stellen der Lehr- und Lerninhalte (>?)
  • Gewährung von technischen Hilfsmitteln oder Dienstleistungen für barrierefreie Kommunikation (>?)
  • barrierefreie Interaktion
  • Hinweis, dass Sie gerne den Bedürfnissen der Studierenden nachkommen, wenn diese geäußert werden

Was ist "Inklusive Lehre" nicht?

Inklusion und Assistenz stehen als zeitgenössische Konzepte der lange praktizierten "Segregation" und "Betreuung" entgegen.

  • In der "Segregation" wurden bestimmte Menschen (in unserem Fall: Menschen mit Beeinträchtigungen) als Teilgruppe aus der Masse heraus gelöst. Sie wurden an einem anderen Ort untergebracht und dort mit durch Dritte bestimmten Maßnahmen unterrichtet oder beschäftigt. Gewisse Lernerfahrungen wurden so verunmöglicht; der Kontakt zur Restgruppe blieb verwehrt - mit allen sozialen und inhaltlichen Konsequenzen.
  • Durch "Betreuung" wurden Entscheidungen für Personen mit Beeinträchtigungen stets von Dritten getroffen. Oft galten diese Entscheidungen für die gesamte Teilgruppe - ohne Rücksicht auf Individualität der Personen und ihre einzelnen Bedürfnisse und Interessen. Eine Selbstbestimmung war nicht gegeben, die Ausführung bestimmter Handlungen pauschal für alle beschränkt - auch wenn sie Einigen physisch und kognitiv möglich gewesen wären.

Wenn Lehre inklusiv sein will, muss sie Segregation und Betreuung überwinden:

  • Grundsätzlich sollten alle Personen am gleichen Ort sein können.
  • Sie sollten dieselben Inhalte mitbekommen und untereinander kommunizieren können.
  • Tatsächlich unausführbare Handlungen oder unwahrnehmbare Informationen werden durch technische Hilfsmittel oder persönliche Assistenz kompensiert. Persönliche Assistenz unterscheidet sich hierbei insofern von "Betreuung", als dass eine definierte Assistenzperson lediglich als Werkzeug und "auf Befehl" reagiert - also Hände, Lippen oder Muskelkraft leiht. Sie trifft keinerlei Entscheidungen.

Für inklusive Lehre sollten kompensierende und unterstützende Maßnahmen von der betroffenen Person selbst ausgehen, da diese (oft seit Jahren/Jahrzehnten) Expertin in eigener Sache ist.
Wer - auch in bester Absicht - als nicht selbst betroffene Person willkürliche Maßnahmen implementiert, kehrt damit zum System der "Betreuung" zurück. Wer - ebenfalls in bester Absicht - eine Parallelstruktur vorschlägt, die eine Person de facto aus der LV und LV-Kommunikation ausschließt (z.B. unterstütztes Selbststudium), reaktiviert ein Stück weit das System der "Segregation" und verletzt das Recht auf vollständige Teilhabe.

Studierende mit physischer oder psychischer Beeinträchtigung...

12% aller Studierenden geben an, eine Beeinträchtigung zu haben, die sich im Studium erschwerend auswirkt (Zahlen der Studierenden-Sozialerhebung 2011).

Damit haben 11.000 Studierende der Universität Wien irgendeine Form von körperlicher oder psychischer Beeinträchtigung (Studierendenstand 92.000; WS12/13).

Diese Studierendengruppe ist sehr heterogen. Psychische Beeinträchtigungen bilden die größte Gruppe, gefolgt von chronisch-somatischen Beeinträchtigungen.

> Infos zu Studierendengruppen nach Beeinträchtigungsart

Nicht alle Formen der Beeinträchtigung wirken sich auf das Studium aus. Und nicht alle Studierenden mit derselben Form der Beeinträchtigung haben dieselben Bedürfnisse.

> Daten & Fakten zur Universität Wien

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...in Ihrer LV?!

Foto von Studierenden in einer Lehrveranstaltung

Erkennen Sie die Studierende mit Diabetes, den Studierenden mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, die Studierende mit Hörbeeinträchtigung und den Studierenden mit Lese-Rechtschreibstörung?

Mit ziemlicher Sicherheit sitzen auch in Ihrer LV Studierende, die zeitweise oder ständig im Studium beeinträchtigt sind. Nicht unbedingt erkennen Sie diese auch als solche.

Zudem scheuen sich viele Studierende vor einem "Outing" und wollen keine Extra-Behandlung erbitten (müssen).

Diese Kombination kann dazu führen, dass manche Studierende nicht die Leistung erbringen, die sie gerne erbringen möchten und könnten.

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Zur Webseite

Auf dieser Webseite erhalten Sie Hinweise, wie Sie Ihre LVen möglichst barrierefrei gestalten können. Bedürfnisse physisch und psychisch erkrankter Studierender variieren jedoch sehr stark. Das bedeutet:

  • Studierende sind dennoch aufgefordert, sich zu artikulieren, wenn die Rahmenbedingungen der LV eine barrierefreie Leistungserbringung nicht ermöglichen.

  • Hier genannte Hinweise sind als grobe Richtlinien zu verstehen, die nicht allen Einzelfällen gerecht werden können.

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